Wenn der Preis zu billig ist…*

Heute ist einmal etwas passiert, was es so bisher noch nicht bei mir gegeben hat:

Ich habe als Reaktion auf ein – aus meiner Sicht durchdachtes, durchkalkuliertes und Rücksicht auf die Situation des Klienten in spe nehmendes – Angebot, eine etwas schockierende Absage bekommen. Diese Antwort muss ich erst noch verdauen.

Sollten tatsächlich

  • das Bemühen um faire Preise – die hier in der Region so oder so als eine Art Volkssport gedrückt werden
  • der Versuch, sich in den zukünftigen Kunden hineinzuversetzen
  • und der Grundsatz, dass beide Seiten etwas von einem Geschäft haben sollten

dazu führen, dass man als unseriös und billig gilt, sich der Kunde nicht ernst genommen fühlt?
Wenn das so ist/wäre, dann habe ich wohl etwas in meiner Geschäftspolitik grundlegend falsch gemacht bzw. die Art und Weise geschäftlicher Beziehung in unserer Region umfassend falsch verstanden.

Ob und wie sich die Reaktion des Ex-Kunden in spe nun auf die zukünftigen Preise auswirken wird, kann ich noch nicht sagen, jedoch gibt mir das alles doch ziemlich viel zu denken auf.

Es schmerzt mich zu lesen, wie Webseitenangebote unter einem bestimmten Preis automatisch als unseriös angesehen werden. Das ist ein schöner Schlag, mitten ins Gesicht. Das Listen- und Durchschnittspreise bar jeglicher Realität sind, ist sicherlich etwas, das viele noch nicht begriffen haben, wie auch, wenn man nicht vom Fach ist. Wenn es danach ginge, hätte ich als angestellter Architekt im Praktikum mindestens 3.400 € brutto verdienen müssen. Dass das nicht der Fall war, sondern ein Drittel dessen, wie bei vielen meiner Kollegen, sollte den Statistikschreiberlingen mal zu knabbern geben. Feingefühl und Abstimmung: “Adé!” – Pauschalierung: “Willkommen!”
Das gibt dem Kunden Sicherheit, auch wenn er dabei vielleicht einen nicht angemessenen Preis bezahlt.

Memo an mich:

  1. Ich darf keine “Spaßpreise” mehr machen.
  2. Ich darf dem Kunden nicht das Gefühl geben, ich hätte “reich geerbt” und mache das alles hier als eine Art Hobby.
  3. Ich sollte die Preise auf mindestens Großstadtniveau anheben, die Görlitzer werden schon mitziehen.

* Zynismus ist eine Haltung, die  moralische Werte grundsätzlich in Frage stellt (und sich darüber hinaus manchmal auch über sie lustig macht). Zynismus kann Folge und Anzeichen von Resignation sein. (Ein Zyniker ist jemand, der Ideale hat, aber zu wissen glaubt, dass sie nicht realisierbar sind.)

4 Kommentare zu “Wenn der Preis zu billig ist…*”

  1. Emberb
    Juli 6th, 2009 16:37
    1

    Cool!

  2. Joe
    Dezember 3rd, 2009 13:02
    2

    Dass ” Webseitenangebote unter einem bestimmten Preis automatisch als unseriös angesehen werden” mag dich “schmerzen”. Andere Schmerzt es, wenn sie durch derartige Dumping-Preise so unterboten werden, dass sie ihre Familie nicht mehr ernähren können.
    Grosstadt vs Görlitz ist im Zeitalter des Internets doch egal. Und Qualität hat nun mal ihren Preis, egal wo.

  3. admin
    März 29th, 2010 09:01
    3

    Danke für Deinen Kommentar Joe. Warum Du schmerzen in Anführungsstriche gesetzt hast, ist mir nicht ganz klar, denn tatsächlich schmerzt es mich. Dass die Preise, die ich hier anbiete im normalen Preisspiegel von Görlitz liegen, scheint wohl nicht ganz durchgekommen zu sein, aber es ist de facto so. UND, da kann ich Dir gar nicht zustimmen, die Preisbildung ist eben nicht egal (siehe Großstadt vs. Görlitz). Genau so eine Aussage führt ja erst mit zum Dilemma: der Preis hängt ganz klar auch von den Kosten, die der Unternehmer hat ab. Wenn irgendein Schlafzimmer-Programmierer (und versteh mich nicht falsch, viele machen echt gute Sachen) einen niedrigen Preis anbietet bzw. anbieten kann, dann auch weil er keine Büro- oder Ladenmiete zu zahlen hat, weil er keinen Angestellten hat, weil er ein günstiges Zimmer im Wohnheim hat und dann evtl. auch noch Bafög bekommt. Dass Qualität ihren Preis hat, ist mir klar. Lies Dir doch bitte mein Credo durch. Ich weiss ebenfalls nicht, wie Du auf Dumping-Preise kommst, da Du ja den Preis meines Angebotes nicht kennst. Dass Du ebenfalls nicht verstanden zu haben scheinst, dass ich den Preis deswegen niedriger angesetzt habe, weil es sich um die Gründung eines kleinen Einzelunternehmens handelt, finde ich schade, aber wahrscheinlich habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt. Preise werden bei mir immer neu verhandelt, innerhalb eines bestimmten Rahmens, denn ein kleiner Katzenverein kann sich mit Sicherheit nicht solche Preise leisten wie eine Hotelkette, z.B. Trotzdem nochmals vielen Dank für Deine Meinung. Es ist ein schwieriges Thema. Korrekter Preis und den Auftrag nicht bekommen vs. zu niedriger Preis und Arbeiten für einen Hungerlohn.

  4. Joe
    Juni 24th, 2010 11:15
    4

    Ich bin kein Grafiker, kann das natürlich nicht beurteilen. Aber ich bin Parkettleger, und das seit Jahren, in einem Meisterbetrieb. In dieser Branche ist das ähnlich: der Autodidakt von der anderen Seite der Neisse kann halt für 6 Euro/Std arbeiten, ich nicht. Der Kunde fragt da selten, warum das so ist, sondern sieht nur den Preis und seine eigene Ersparnis.
    Einen Kunden, der ein Angebot ablehnte, weil es zu billig war, hatte ich noch nicht. Daraus schlussfolgere ich, dass der Preis wirklich extrem niedrig und unangemessen war. Wer weiß aber, wieviele sich aus diesem Grund gegen ein Angebot entscheiden, ohne es so offen zu sagen???
    Insofern solltest du dem Kunden danken für die Ehrlichkeit. Ich würde es tun. Man kann viel daraus lernen. Evtl. würde ich auch rauszufinden versuchen, wo der Kunde dann hingegangen ist…

Kommentar abgeben: